Invasive Arten im Visier

Ob Fallen am Gewässer, wohl überlegte Köderwahl oder konsequente Gänsebejagung: Wer erfolgreich invasive Arten bejagen will, muss entschlossen handeln, sauber arbeiten und jede Chance nutzen, bevor sich neue Bestände festsetzen.

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Invasive nichtheimische Arten,  verbreiten sich seit Jahren rasant im gesamten Bundesgebiet. Hohe Reproduktionsraten und wenige natürliche Feinde sorgen dabei für enormen Zuwachs. Bei Waschbär, Nutria und Co. legen die Männchen oft große Strecken zurück, stets auf der Suche nach neuen Territorien und paarungsbereiten Weibchen. Sie wandern dabei am liebsten entlang mehr oder weniger natürlichen Grenzlinien wie Tälern, Bergrücken und Wälder sowie die wassergebundenen Arten in Flüssen und Bächen. Finden sie Teretorien sowie Partner, ist die nächste Lokalpopulation schnell gegründet. Genau diese Tatsache macht ihre Bejagung für uns Jägerinnen und Jäger so anspruchsvoll. Aus diesem Grund gilt für alle invasiven Arten der Leitsatz „wehret den Anfängen“.  

Wer rechtzeitig gegensteuert und einzelne Individuen streckt bevor sie sich vermehren können, verlangsamt eine weitere Ausbreitung definitiv. Wer jedoch glaubt, er hätte damit die weitere Ausbreitung unterbunden, irrt sich gewaltig! Lediglich eine möglichst intensive, kontinuierliche und großflächige Bejagung bringt langfristig den gewünschten lokalen Erfolg, was uns Jägerinnen und Jäger vor tägliche Herausforderungen stellt.

Wir müssen uns dabei nicht nur die Frage nach dem „Wo sind sie?“, sondern viel wichtiger auch die Frage „Wo kommen sie her?“ stellen. Bei den wassergebundenen Arten wie Rost- und Nilgans oder dem Nutria schränken sich die Optionen schnell von selbst ein. Der Waschbär hingegen kommt mit jeglichen Voraussetzungen zurecht. Was wir bei diesen Arten nicht vergessen dürfen, ist ihr Ursprung aus Menschenobhut. Sie vermehren sich nicht nur in der freien Landschaft, sondern nutzen auch Siedlungen und Städte zur Vermehrung. Siedlungen bieten den meisten Arten eine ideale Kinderstube: Ausreichend Lebensraum, Sicherheit und Nahrung in Hülle und Fülle – bessere Voraussetzungen finden sie selten. Gerade hier sind in naher Zukunft auch die Kommunen gefragt, denn die Eindämmung im Revier kann nur dann eine Chance haben, wenn wir die uneingeschränkte Reproduktion auch in den urbanen Bereichen nachhaltig reduzieren und eindämmen.

Eine ganzjährige Jagdzeit auf invasive Arten bedeutet für uns Jägerinnen und Jäger vor allem eins: Verantwortung! Egal ob Waschbär, Nutria, Marderhund oder die invasiven Rost- und Nilgänse: Wir müssen verantwortungsvoll handeln – konsequent und fachlich fundiert. Gleichzeitig stehen wir vor einem weiteren Balanceakt: Durch ihr putziges Aussehen und ihr oft zutrauliches Verhalten genießen viele dieser Arten bei der Bevölkerung große Sympathie – und werden nicht selten sogar gefüttert.

Umso wichtiger sind Sensibilität, Professionalität und Umsichtigkeit bei der Bejagung der invasiven Arten. Nur so können wir dieser anspruchsvollen Aufgabe gerecht werden.

Jagd auf Waschbär, Marderhund und Mink
Wer Jagd auf unsere drei invasiven Raubsäuger machen möchte, wird schnell feststellen, dass er alleine mit der Flinte oder Büchse nicht zum Ziel kommen wird. Die Jagd mit der Falle ist bei diesen Arten am einfachsten und effektivsten. Da Waschbär, Marderhund und Mink gerne am Wasser vorkommen oder an Fließgewässern entlangwandern, bieten sich Fallen über Entwässerungsgräben oder Bachläufen geradezu an. Dabei muss es bei diesen Arten auch nicht immer gleich die Betonrohrfalle sein. Eine gute Kastenfalle verrichtet hier meist sehr gute Dienste.

Wer Fallen tatsächlich über Wasserläufe mit einer Mindestbreite von einem, besser eineinhalb Meter Wasserbreite stellt, braucht diese dabei nicht einmal zu beködern. Diese „Brücken“ sind wahre Selbstläufer auf alles Raubwild, aber auch auf Nutria. Wer diese Möglichkeiten nicht hat und dennoch gewässernah mit Fallen arbeiten möchte, sollte ausnahmslos immer an Hochwassersituationen denken. Fallen müssen hier stets so aufgestellt sein, dass sie auch im schlimmsten Fall gut erreichbar sind, nicht mitgerissen werden können und ein Ertrinken von gefangenem Wild ausgeschlossen werden kann. Auch mit Blick auf den Elterntierschutz stellt die Fangjagd eine gute Lösung dar. Wer zwischen März und Juli Jagd auf adulte Tiere machen möchte, muss sich sicher sein, kein Elterntier zu erlegen. Bei der Fangjagd können wir dies im Abfangkorb oder Abfangnetz ausreichend bewerten und abschließend sicherstellen. Bei den Ködern haben sich Eier in Verbindung mit geräuchertem Fisch oder Ölsardinen bewiesen. Waschbären mögen zudem auch gerne Süßes! Egal ob Kirschen, Trauben, verschiedene Beeren oder einfache Marmelade – Waschbären fangen sich auf so ziemlich alles.

Den Rest des Jahres können wir die invasiven Räuber bei jeder sich sicher bietenden Gelegenheit erlegen. Ob beim Ansitz an der Kirrung, dem Maisacker oder auf dem Entenstrich am Bach – wer eine sichere Chance hat, sollte diese unbedingt auch wahrnehmen und somit auch seiner gesetzlichen Hegeverpflichtung nachkommen. Die Zeiten der Rosinenpickerei müssen wir hinter uns lassen. Irrsinnige Vorgaben und Absprachen bezüglich „Raubwild ist beim Schwarzwildansitz zu schonen“ sollten im Zeitalter der Schalldämpfer endgültig der Vergangenheit angehören. Übergroßen Kalibern bedarf es dabei trotz der Schusshärte nicht. Der Treffersitz im Leben ist das entscheidende. Selbst eine .17 HMR oder .17 Hornet ist bei gutem Treffersitz und gegebenenfalls geringer Einschränkung der Schussentfernung absolut tödlich und ausreichend.

Nutria
Auch beim Nutria kommen wir nicht um die Bejagung mit der Falle herum. Die Ansitzjagd an Schadflächen, gegebenenfalls mit Vorsatztechnik, kann zwar lokal schnell zu einer Reduzierung und Schadensminderung verhelfen, ist jedoch meist nicht von langer Dauer. Sobald Reviere an guten Fraßplätzen frei werden, wandern aus der Umgebung die nächsten Nutria zu.

Fangen lassen sich Nutria sehr einfach. Auch an den Fallentyp stellen Nutria keine großen Ansprüche. Wichtig ist jedoch: nagesicher! Fallen aus Kunststoff oder Blech haben sich in der Praxis bewährt. Im Uferbereich aufgestellt und z.B. mit einem Apfel oder ein bisschen Mais beködert stellt sich der erste Fang schnell ein. Beim Nutria können die Fallen gerne auch etwas „im Wasser“ stehen, sodass die Tiere in die Fallen hineinschwimmen können. Doch auch hier gilt: unbedingt Hochwassersituationen beachten!

Zwingend zu beachten ist bei der Jagd auf Nutria zudem die extreme Gefahr für unsere Jagdhunde, welche niemals außer Acht zu lassen ist. Vor allem wer ein Nutria im oder ab Gewässer beschießt und den Vierbeiner zum Apport schicken möchte, sollte sich definitiv und zu 100 % sicher sein, dass die Beute sauber erlegt wurde. Leichtfertiges Handeln hat in den vergangenen Jahren nicht selten zu hohen Tierarztkosten und somit unnötigem Tierleid bei unseren treuen Jagdgefährten geführt. Selbst Todesfälle bei Kämpfen zwischen Nutria und Hund sind leider keine Seltenheit.

Nil- und Rostgänse
Vor gut zwanzig Jahren wusste wahrscheinlich kaum jemand in Baden-Württemberg, wie eine Nil- geschweige denn Rostgans überhaupt aussieht. Im Jahre 2015 wurde die Nilgans erstmals mit Einführung des JWMG ins Jagdrecht aufgenommen und ist seitdem als jagdbare Art im Nutzungsmanagement gelistet. Von ein paar wenigen im Jahre 2015 auf weit über 2000 Vögel in JJ 24/25. Die Bestandsentwicklung ist enorm und mit ihrer Anzahl wachsen auch die Probleme. Als Kulturfolger besiedeln sie die unmöglichsten Orte. Nicht nur Flüsse, Bäche oder Seen in der freien Landschaft werden ganzjährig bewohnt, gerade zur Brutzeit weichen Nil- und Rostgänse auch gerne auf kleinere Parks, Schwimmbäder oder gar größere Gartenteiche aus. Scheu vorm Menschen hindern die durch den Menschen eingebrachten Gänse eher selten. Selbst größere Arten wie der Weißstorch können durch die aggressiven Gänse aus ihrem Nest vertrieben werden. In der Folge verdrängen sie oft viele heimische Arten von ihren natürlichen Brutplätzen. 
Seit diesem Jahr haben sowohl die Nil- als auch die Rostgans eine ganzjährige Jagdzeit. Doch wie, wann und wo bejagen wir sie am einfachsten? Wie bereits im Artikel „So klappt's mit der Jagd auf Gänse“ in der JAGD in BW 09/25 beschrieben, stellt die Jagd auf Gänse mit dem freundlichen Lockbild sicherlich eine der effektivsten Jagdarten dar. Richtig angestellt, können zwei bis drei gute Schützen in nur wenigen Stunden gleich mehrere Duzend Gänse erlegen. Doch nicht in jedem Revier lohnt die Jagd mit dem Lockbild oder ist dort möglich. In vielen Revieren kommen sie nur sporadisch oder in kleineren Gruppen vor. Doch auch dort sollten sie so intensiv wie möglich bejagt werden. Gerade Paare ohne Nachwuchs stellen hier schnelle und einfache Beute dar. Wer ein Paar vor sich hat und mit der kleinen Kugel waidwerken möchte, sollte allerdings zügig eine zweite Kugel parat haben. Durch die enge Paarbindung steigt die zweite Gans nach Erlegung der ersten häufig nur kurz auf, um danach wieder zu landen – die ideale Chance für einen zweiten Schuss.

Die ganzjährige Bejagung von Nichtbrütern ist im Übrigen vollkommen unproblematisch. In freilebenden Gänsepopulationen (wie Grau-, Nil- oder Kanadagänsen) machen solche Nichtbrüter oft 40 bis 50 % des Gesamtbestandes aus. Dazu gehören geschlechtsunreife Jungvögel bis zum Alter von etwa zwei bis drei Jahren, sowie nichtbrütende Altvögel. Sie bilden die sogenannte Nichtbrüterreserve. Eine Nichtbrüterreserve bezeichnet bei wildlebenden Gänsen Tiere, die nicht brüten, weil ihr Bestand die Kapazität des Lebensraums übersteigt oder weil ihnen ein Partner oder das Revier fehlt. Diese Reserve puffert Bestandsverluste ab und erschwert die Populationskontrolle, da freie Reviere sofort nachbesetzt werden. Führende Altvögel halten sich dagegen strikt bei ihren Jungvögeln an den Brutgewässern auf. Diese Brutgewässer sollte man als Jagdausübungsberechtigter in seinem Revier kennen. Wo also während der Brutzeit Trupps oder Einzelvögel von Nilgänsen abseits der Brutplätze angetroffen werden, können diese bedenkenlos bejagt werden. Auch bei Paaren mit Nachwuchs können wir gegebenenfalls aktiv werden. Bei dieser Art der Gänsebejagung sollten wir uns allerdings über deren Wirkung in der Öffentlichkeit bewusst sein und nicht unüberlegt handeln.

Ein weiteres Phänomen ist bei den Gänsen allgemein die synchrone Mauser des Großgefieders. Gänse mausern in der Regel einmal im Jahr im Anschluss an die Brutzeit, ab Mitte Mai bis in den späten Sommer (Juli/August). Da sie alle Schwungfedern gleichzeitig verlieren, sind sie in dieser Zeit für etwa vier bis sechs Wochen flugunfähig. Die Mauser verbringen sie oft in großen Zahlen an geeigneten Gewässern, die neben reichlicher Wasservegetation oder fußläufig erreichbaren Nahrungsquellen auch deckungsreiche Rückzugsräume aufweisen müssen. Bei menschengewöhnten städtischen Populationen spielt die Deckung eine untergeordnete Rolle. Erst nach der Mauser tauchen sie wieder an anderen Gewässern und auf den Feldern auf. Klassischerweise beginnt die Gänsejagd erst nach der Mauser, im August. Nun gibt es die Möglichkeit, auch in der Mauserzeit Strecke zu machen.

Ob auf Rost- oder Nilgänse, die Jagd an Gewässern steht immer mehr in Konkurrenz zu vielerlei Freizeitaktivitäten und nahezu alle Gewässer sind erschlossen und von Erholungssuchenden hoch frequentiert. Entsprechend sensibel ist dort die Jagdausübung, sie wird jedoch angesichts der erkennbaren Problematiken zunehmend toleriert oder sogar gefordert.

Für alle Neozoengänse gilt daher, die schmackhafte Ressource Wildgans deutlich mehr als bisher zu nutzen und den heimischen Arten wieder Luft zu verschaffen.

Benjamin Gut, Klaus Lachenmaier (LJV)