Dieser Sommer hat erneut viele Rekorde gebrochen. Man sieht es dem Wald an: Dicke Buchen haben bereits Anfang August zahlreiche Blätter gelassen, die Verjüngungen sind teilweise vertrocknet. Niederschläge blieben nahezu aus und auch die Taubildung fand kaum statt. Die Erträge vieler Feldfrüchte lagen deutlich unter dem Durchschnitt.
Auch das Wild hat unter den extremen Bedingungen gelitten. Belegbare Zahlen gibt es nicht, dennoch ist davon auszugehen, dass insbesondere das Jungwild von Reh- und Schwarzwild betroffen war. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung werden zunehmend sichtbar. Es wird weitere Sommer dieser Art geben. Grund genug, bereits jetzt über Hegemaßnahmen für die Tiere in Wald und Feld nachzudenken. Noch ist das Thema präsent und gerät während der jagdlich intensivsten Zeit nicht aus dem Blick. Planen Sie entsprechende Maßnahmen bereits für den Winter oder das Frühjahr ein und helfen damit dem Wild, künftige Trockenperioden besser zu überstehen.
Feuchtbiotope und Suhlen sind während der Hitzeperioden ein wichtiger Anlaufpunkt für das Wild. Zum einen kann dort geschöpft werden, gute Wasserqualität vorausgesetzt, zum anderen ist die Vegetation rund um diese Orte aufgrund des höheren Wassergehalts in den Pflanzen meist noch etwas saftiger. Rehwild nimmt einen Großteil seines Wasserbedarfs über die Äsung auf. Man weiß inzwischen aber, dass es durchaus auch schöpft. Vor allem in Zeiten, in denen keine Taubildung stattfinden kann, sind saubere Wasserquellen von besonderer Bedeutung. Den waidgerechten Jägerinnen und Jägern ist klar, dass diese Revierteile in extremen Hitzeperioden jagdlich komplett beruhigt werden.
Nicht nur unser Rehwild, auch Sauen, Vögel und Insekten brauchen feuchte Ecken. Oft reichen bereits aufgestellte Tränken (siehe Ausgabe 07/26), um eine spürbare Verbesserung zu erzielen. Besser ist es, man erhält bereits vorhandene Feuchtbiotope oder legt neue an. Die Positionierung solcher Biotope im Revier ergeben sich oft von selbst: Niederungen mit Grundwasser, die länger feucht sind oder gar Quellbereiche in Hanglagen bieten sich besonders gut an. Trocknen diese nach ausbleibendem Niederschlag perspektivisch dennoch aus, muss bereits frühzeitig begonnen werden, diese Feuchte aktiv durch Wassergaben zu halten. Bleiben solche Bereiche über längere Zeit trocken, verlieren sie ihre Wasserhaltefähigkeit und werden gewissermaßen „undicht“. Oft sind dann aufgrund tiefer Trockenrisse erhebliche Niederschlagsmengen über mehrere Tage erforderlich, bis sich wieder dauerhaft Wasser hält. Muss Wasser ins Revier transportiert werden, sollten neu geplante Feuchtbiotope gut mit dem entsprechenden Fahrzeug erreichbar sein. Muss man Schläuche über weite Strecken ziehen, kostet das sehr viel Zeit und Kraft. Vom Kanister auf dem Fahrradhänger über den 1.000-Liter-IBC-Tank auf dem PKW-Anhänger bis zu ausgedienten Milchtankwagen am Traktor - Möglichkeiten, Wasser ins Revier zu transportieren, gibt es vielerlei.
Anlage eines Feuchtbiotops oder einer Suhle
Die Planung muss immer mit dem Waldbesitzer abgestimmt werden. Es genügt meist, mit dem Löffel eines Baggers oder der Frontladerschaufel eine flache Kuhle auszuheben. Steinige, felsige Böden, oder etwa tiefgründige Böden mit hohem Muschelkalkanteil und besonders sandige Regionen haben eine relativ geringe Wasserhaltekraft. Wasser versickert schnell in tiefere Schichten und ist nicht mehr für unsere Zwecke verfügbar.
Je nach Bodenbeschaffenheit muss daher eventuell mit einer Abdichtungsschicht dem Versickern und schnellen Austrocknen entgegengewirkt werden. Der Einsatz von Teichfolie ist zwar eine Möglichkeit, sollte jedoch aufgrund des Plastikeintrags ins Revier sowie aus Kostengründen nur zweite Wahl sein. Geeignet sind hingegen stark tonhaltige Erden, beispielsweise von Erddeponien, die mit einer Rüttelplatte verdichtet werden. Aus dem Natur-
teichbau kennt man Bentonit, eine natürlich vorkommende Tonart. Dieses Mineral hat die Eigenschaft, auf ein Vielfaches seines Trockenvolumens aufzuquellen. Durch diese Quellung werden Lücken zwischen den Bodenpartikeln geschlossen, Wasser versickert nicht mehr. Vermischt mit dem umgebenden Boden ergibt sich so eine natürliche Versiegelung.
Legt man größere Biotope an, lohnt sich die Überlegung, sie in einen Klarwasserbereich und einen schlammigeren Suhlenbereich aufzuteilen. Hierzu besetzt man den Klarwasserbereich des Tümpels zusätzlich zur Dichtungsschicht mit größeren, scharfkantigen Flusssteinen. Wild, Vögel, Amphibien und Insekten haben hier die Möglichkeit zur Nutzung. Etwas tiefer angelegt, abgetrennt durch eine Trennschicht zum Klarwasser, wird dann der Suhlenbereich angelegt. In jedem Fall ist es wichtig, Ausstiegshilfen für Kleinsäuger und Insekten zu schaffen.
Samuel Golter (LJV)
Fördermöglichkeiten
Über das Artenschutzprogramm des Landesjagdverbands besteht die Möglichkeit, die Neuanlage und Pflege von Biotopen gefördert zu bekommen. Gefördert werden ausschließlich der Maschineneinsatz bei Neuanlage von Stillgewässern (inkl. Schilfpflanzung) sowie die Kosten für die erforderlichen Pflanzen. Näheres finden Sie auf der Website des Landesjagdverbandes BW.
Bitte nehmen Sie vorab Kontakt zu den verantwortlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle des LJV auf.



